Abhängigkeiten in verteilten sozialen Medien


Während sich bei Twitter niemand eine Instanz aussuchen muss, kann man auf Mastodon eine Community wählen. Diese Wahl bestimmt sowohl die Sichtweite und Sichtbarkeit des Accounts, als auch die Endung des Nutzernamen. Außerdem macht man sich vom Betreiber der Instanz abhängig.

Insbesondere Journalisten stehen damit in einem Spannungsverhältnis:

Auf der einen Seite würden sie gerne die Reichweite und Verifikation ihres Arbeitgebers genießen, also einen Account bei selbigem anlegen. Auf der anderen Seite stellen sie sich damit aber eben in ein Abhängigkeitsverhältnis, ohne Garantie das sie nach Ende des Arbeitsverhältnisses auch ihre Reichweite behalten.1

Noch größere Probleme haben freie Journalisten: Sie müssen anderweitig gefunden werden.

Am sinnvollsten ist damit eine Instanz für alle Journalisten, die beispielsweise von den Presseverbänden oder von einem Zusammenschluss mehrerer Medienhäuser gehostet wird. Zur Verifikation können immer noch verifizierte Links benutzt werden.

Dadurch wäre eine eindeutige Kennzeichnung als Journalist gegeben. Gleichzeitig wären sie vor ihren Arbeitgebern geschützt.

Das hätte auch einen Vorteil für freie Journalisten: Sie könnten immer noch auf einer sicheren Plattform am Diskurs teilnehmen und wären einerseits durch ihre Instanz als Journalist und durch verifizierte Links als Mitarbeitende eines bestimmten Unternehmens sichtbar.

Eine Einschränkung ist natürlich, dass man dem Betreiber dieser Plattform vertrauen muss. Außerdem darf sie nicht von anderen Instanzen gebannt werden.2


  1. Wird ein Account vom Arbeitgeber zu schnell gelöscht, hat ein Journalist keine Chance, Follower umzuziehen.

    Außerdem muss der Umzug von jedem Server, auf dem ein Follower einen Account hat, registriert werden. Dabei kann es zu Fehlern kommen. Bei jedem Umzug verschwindet dann ein Teil der Follower. ↩︎

  2. z. B. journa.host ↩︎